Fischereiverein Gaildorf e.V.
Fischereiverein Gaildorf e.V.

Lebensraum Staubereich

Im Staubereich des Kochers erlebt Ihr den Kocher langsam, ruhig und tief. Er gleicht hier eher einem See, als einem Fluss. Diese langsame Fließgeschwindigkeit wird durch das Wehr, einer sogenannten Querverbauung hervorgerufen, die den Wasserspiegel auf eine beachtliche Höhe anstaut. Leider lagert sich hier auch alles an Sediment ab, was der Kocher so mit sich führt.

Der Hecht

Der Hecht ist der bekannteste Raubfisch, der im Kocher vorkommt. Er ist ein Lauerräuber, der an seinem Platz wartet, bis sich eine Gelegenheit ergibt, um wie ein Pfeil hervorzuschießen und Beute zu machen. Die Durchschnittsgröße liegt bei 50 bis 100 cm.

 

Allerdings sind Längen bis 150 cm oder Gewichte von über 20 kg möglich. Je nach Wassertemperatur beginnt die Laichzeit zwischen März und April und dauert bis in den Mai hinein. In dieser Zeit wird der Hecht von uns Anglern geschont. Das Weibchen (Rogner) hängt seine klebrigen Eier an Wasserpflanzen oder Unterwasserwurzeln, wo sie dann vom Männchen (Milchner) befruchtet werden. Die Milchner sind meistens wesentlich kleiner als die Rogner, daher kann es schon vorkommen, dass das Männchen beim Liebesspiel auch mal gefressen wird.

Der Karpfen

Viele wissen es wahrscheinlich nicht, aber der Karpfen ist ursprünglich bei uns kein heimischer Fisch. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Karpfens umfasst die
Zuflüsse des Kaspischen und des Schwarzen Meers. Er ist seit der Antike ein beliebter Speisefisch, und deshalb auch in zahlreichen Ländern weltweit eingeführt worden. Zu uns brachten Ihn die Römer, aber erst die Mönche lernten Ihn in der Fastenzeit richtig zu schätzen und entwickelten um 1000 nach Christus, eine gezielte Teichwirtschaft. Man sagt Ihm nach, dass er einer der intelligentesten Fische ist, da er nachweißlich aus seinen Erfahrungen lernt und Diese auch sehr lange abspeichern kann.

 

Daher ist es für uns Fischer immer ein besonderes Erlebnis, wenn man ein großes, erfahrenes Exemplar überlisten konnte. Der Karpfen kann Größen bis 120cm und Gewichte bis 40kg erreichen. Der Karpfen lebt gesellig, man nennt solche Gruppen mit mehreren Exemplaren auch Schulen. Als Friedfisch ernährt sich der Karpfen hauptsächlich von am Boden lebenden Kleinlebewesen wie Insektenlarven, Schnecken, Muscheln und Würmern.

Der Brachsen

Der Brachsen ist der Leitfisch dieser Region, er fühlt sich in Tiefen stömungsberuhigten Staubereichen wohl. Mit seinem „rüsselartigen, vorstülpbaren“ Maul durchwühlt er den schlammigen Grund, wo er seine Nahrung (Zuckmückenlarven, Schlammröhrenwürmern, Muscheln und Schnecken) sucht. Die Seiten des Brachsen sind sehr stark abgeflacht und die Form ist oval. Auffällig ist die grünlich glänzende, schwarze bis bleigraue oder bleiblaue Färbung auf dem Rücken, der die Fische auch den Namen Blei verdanken. Unter Idealen Bedingungen können Brachsen 85 cm Lang, 8 kg schwer und ca. 16 Jahre alt werden.


Der Brachsen ist ein geselliger Fisch, der kleine Schwärme bildet und in diesen wie ein Staubsauger den Gewässerboden absaugt. Daher ist der Weg eines Brachsenschwarmes im flacheren Uferbereich, leicht durch aufsteigende Bläschen von Sumpfgas bemerkbar, welche beim Durchwühlen des Bodens freigesetzt werden. Die Laichzeit der Brachsen liegt im April bis Juli und dauert etwa zwei Wochen. Bei plötzlichem Wetterumschwung wird das Laichen unterbrochen und später fortgesetzt. Während der Laichzeit fällt beim Männchen an Körper und Kopf deutlich ein Laichausschlag auf. Bei mitunter heftigen Laichspielen legen die Weibchen ihre 150.000 bis 300.000 klebrigen Eier von 1,6 bis 2 mm Durchmesser an Wasserpflanzen ab, in
Gebieten ohne Wasserpflanzen werden sie auch an Steine oder Wurzeln geklebt.

Die Schleie

Die Schleie ist im Kocher leider mittlerweile seltener anzutreffen. Ihr fehlt es an geeigneten ruhigen Seitengewässern, intakten Zugängen zu Altarmen und Wasserpflanzen. Wenn Ihr aber hier tief ins Wasser hineinhängende Büsche mit feinen Ästen seht, könnt Ihr davon ausgehen, dass dazwischen eine Schleie
umher-schwimmt. Dank Ihrer dicken schleimschicht, gleitet sie praktisch mühelos durch dichtes Geäst oder Unterwasserpflanzen.

Die Schleie ist ein besonders skeptischer Fisch, daher ist es für uns Fischer immer etwas besonderes, eine zu überlisten. Sie hat zwar viele Gräten, aber Ihr Fleisch hat ein besonders wohlschmeckendes Aroma. Schleien verfügen über die Fähigkeit zur Kälte- und Hitzestarre, die es ihnen ermöglicht, kurzfristig auch extremen Sauerstoffmangel zu überleben. Deshalb
sind sie auch in kleinen Tümpeln anzutreffen. Schleien werden 25 bis 45 Zentimeter groß und ernähren sich hauptsächlich von Kleinlebewesen, Würmern und Schnecken.